Wegbeschreibungen sind etwas, das Spanier anscheinend nicht in Perfektion beherrschen. Das fängt am Flughafen. Dort wollte ich eine Wertkarte für das Busnetz auf Teneriffa besorgen und stand irgendwann unter einem Schild, das zu "Tickets" in beide Richtungen gezeigt hat. Die Teneriffaer sind allerdings so nette und fröhliche Leute, dass es fast zum Vergnügen wird, nach dem Weg zu fragen. Nach einer Weile Herumgeirre war ich in einem kleinen Nippes-Laden angekommen, der das Monopol für Busfahrkarten am Flughafen hält. Dafür konnte mir die Verkäuferin aber besser die Verbindung nach El Medano beschreiben als der Typ am Info-Schalter, der mich zuvor auf eine halbe Inselrundfahrt schicken wollte, obwohl El Medano und Flughafen vielleicht 3km Luftlinie voneinander entfernt sind.
Die drei Tage vor Christians Ankunft verbrachte ich in El Medano. Das liegt in der Trockenwetterzone im Süden und hat drei der seltenen Naturstrände auf Teneriffa. Der unglaublich starke Wind zieht etliche Wind- und Kite-Surfer an. Da ich mich dem Sturm hier nach so langer Pause allerdings nicht gewachsen sah, begnügte ich mich damit, die Strände und das Meer zu genießen.
Ich erkundete auch die vom Reiseführer vorgeschlagenen Wanderwege im Süden, auf den Montana Roya und die Hochebene Llona de las Mesas. Wie die abliefen, kann man mit einer gemeinsamen Erzählung abdecken: Ich startete am Einstiegspunkt mit dem "detaillierten Wanderführer" in der Hand. Bei der zweiten Abbiegung war ich mir dann schon nicht mehr sicher, noch richtig unterwegs zu sein, denn zur Orientierung sind Schilder, von denen nur noch die Pfähle im Boden steckten, oder Steinmännchen am Wegesrand angegeben. Mit meiner groben Vorstellung des geplanten Rundweges folgte ich also nach eigenem Gutdünken irgendwelchen Pfaden. Die endeten jedoch bald und ich stand in der Pampa. Mit der Bergspitze als Ziel machte ich mich also an den Querfeldein-Aufstieg. Was ich bald bereute. Denn der Abhang wurde immer steiler und das Vulkangestein brökelte unter meinen Füßen und loses Geröll bietet ja bekanntlich auch nicht viel Halt. Ich kann es zwar nicht quantifizieren, aber nach meiner Erfahrung ist es anstelle eines Abstiegs oft besser, eine steilere Steigung bergauf zu gehen. Also machte ich das, auch wenn ich mir insgesamt einen Hike-Buddy gegen das mulmige Gefühl, allein auf weiter Flur zu klettern, gewünscht hätte.
Oben angekommen stieß ich wieder auf perfekt ausgebaute Wege mit null Steigung und begann den Genußteil der Wanderung mit fantastischer Aussicht aufs blau-türkise Meer, grüne Kakteen und Sukkulenten und der Sonne im Nacken. (Ja, ich musste erst einen gehörigen Sonnenbrand auf der Schulter bekommen, bevor ich Sonnencreme zur Hand nahm.)
Zu Essen gab es für mich in den Tagen viel Thunfisch und Baked Beans aus der Dose. In dem Hotel mit unzulässig dünnen Wänden, die den Lärm der Live-Musik aus der Bar im Erdgeschoss in keiner Nacht wirklich dämpften, hatte ich natürlich weder Herd noch Kühlschrank oder Geschirr. Ich löffelte also Bohnen aus der Dose mit dem Condor-Besteck, das ich auf dem Hinflug hatte mitgehen lassen.
Ich find's so cool, dass du wieder so professionelle Reiseberichte schreibst- und tolle Fotos schickst! In Vorfreude auf die Fortsetzung danke ich dir herzlich und wünsche euch noch erlebnisreiche, aber auch entspannte Urlaubstage!
AntwortenLöschenViele liebe Grüße von eurer Mama.
wow, je suis jalouse... tolle bilder! und schöner bericht. merci beaucoup! :)
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