4. Juli 2013

Bryce Canyon

Wenn man sich ein wenig von den Pools und Fontänen in Las Vegas entfernt, merkt man ganz schnell wieder, dass man eigentlich in der Wüste ist. Wir waren "on the road again" und passierten auf dem Weg nach Osten zwei Staatengrenzen, von Nevada über einen Zipfel von Arizona nach Utah, wo wir uns den Bryce Canyon National Park anschauen wollten. Dabei fuhren wir auf das Colorado Plateau und kamen wieder in größere Höhen. Die Landschaft wurde wieder grüner – für Wüstenverhältnisse – und im Red Canyon erblickten wir erstmal die markant geformten roten Sandsteinfelsen Utahs.

Nach dem Einchecken im Motel in Tropic wollten wir uns noch ein bisschen die Beine vertreten und gingen auf den kurzen Mossy Cave Trail. Entlang eines kleinen Flusses verlaufend war dieser am frühen Abend sehr angenehm zum Spazieren. Am Trailende, einem kleinen Wasserfall, waren wir erst fast und dann ganz allein. Dort steht man auf einer Flussseite und blickt auf einen Fels auf der gegenüberliegenden Seite, der von der untergehenden Sonne angestrahlt wird, was zusammen mit dem blauen Himmel hinter einem Fenster, einem ausgewaschenen Loch im Fels, besonders schön aussah.

Wir wollten uns gegenseitig davor fotografieren. Wenn auch nicht super breit, lag davor aber noch der Fluss. Man konnte entweder über einen quer liegenden Baumstamm balancieren oder an einer schmalen Stelle drüber springen. Ich entschied mich fürs Balancieren. Der Stamm war dick genug, das Ganze eigentlich ganz einfach zu machen. Das Schwierige ist, einen fixen Punkt am anderen Ufer anzuvisieren anstatt das rauschende Wasser unter einem und jegliche Gedanken an mögliches Fallen und den nahegelegenen Wasserfall auszublenden, – eine Zen-Übung für zwischendurch.

Anna hatte größeres Vertrauen in ihre Athletik. Sie suchte sich eine passende Stelle, setzte alles auf eine Karte – in der Luft kann man im Nachhinein wenig korrigieren – und sprang. Das sah ziemlich spektakulär aus und gelang ihr glücklicherweise auch! Von dort war es nur noch ein kurzer Anstieg auf Schotterstein zum Fenster und den gewollten Fotos. Hinab waren ihre Laufschuhe zu abgewetzt und rutschten auf dem Schotter. Sie wählte die Fortbewegungstechnik einer Tarantel (auf allen Vieren, zusätzliche Beine wuchsen ihr glücklicherweise in dieser Zeit nicht [Kommentar Anna]) und kam sicher wieder zurück zum Fluss. Ich war froh, dass sie sich nicht auch deren Essgewohnheit abgeschaut hatte [Kommentar Flo].

Den nächsten Tag verbrachten wir komplett im Bryce Canyon National Park. Der ist ideal für Amerikaner, die bei Anstiegen Rolltreppen und Fahrstühle benutzen und trotzdem ein bisschen Natur sehen wollen. Auf dem Rim kann man zu allen Ausblickspunkten fahren und ohne viel Fußweg nette Fotos machen. Wir fuhren zunächst zum Rainbow Point, dem südlichsten Ende, und arbeiteten uns nach Norden durch. Am frühen Nachmittag hörten wir uns am Sunset Point einen Geology Talk von einem Ranger an und lernten, dass die Hoodoos aus abgelagertem Sedimentgestein bestehen, welcher nun vom leicht sauren Regen angegriffen wird. Dabei sind manche schichten löslicher als andere, wodurch die horizontalen Strukturen entstehen. Darüber hinaus lernte wir, dass der Bryce Cayon kein Canyon ist, weil durch ihn kein ihn auswaschender Fluss fließt. Der Bryce Canyon ist dagegen nur eine Wand des Colorado Plateaus, der keine andere gegenüber steht.

Aber schöner als die Hoodoos nur von oben zu sehen – bald ist da eine gewisse Sättigung erreicht –, war es, zu ihnen hinunter zu steigen. Wir stiegen vom Sunrise Point den Queens Garden Trail hinab und folgten ihm, bis wir auf den Navajo Trail stießen, der über steile Serpentinen wieder hinauf zum Sunset Point führte. Dabei sahen wir die Hoodoos von unten, ihre nicht so ausgewaschenen Füße, liefen durch Tunnel und enge Canyons.

Nach einem langen Tag an der Sonne gönnten wir uns perfekt gekühlte (alkoholfreie) Bierchen auf unserer Couch. Diese am Vorabend zu besorgen war in dem Mormonenstaat Utah eine Geschichte für sich. Einen Wein konnte man in dem General Store des Dorfes nicht bekommen. Dazu hätte man im Restaurant zum Essen eine Flasche bestellen müssen, die man dann hätte mitnehmen können. Aber selbst für das alkoholfreie Bier blinkte auf dem Schirm der Kassiererin ein Hinweisfenster auf, dass sie dafür eine ID verlangen müsse. Die Gefahr durch Alkohol wird hier gewiss nicht unterschätzt!

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